Bretagne

Aus der Eröffnungsrede von Hans Manhart anlässlich der Ausstellung Zeichnungen in der Galerie 333, Helmstedt, am 18. Februar 1990

…Die assoziativen Landschaften, wie Michael Ewen selbst gern seine Zeichnungen nennt, sind dunkel, sie wirken daher eher schwer und verschlossen. Kennzeichnend ist ihre formatfüllende, zum Teil formatsprengende Bildanlage.
Es sind Felslandschaften, die sich zwischen Betrachter und Bildhimmel wie Barrieren schieben, etwas zu versprerren, zu verbergen scheinen. Wir sehen Baum- und Pflanzenfragmente sowie – nur vereinzelt und spärlich angedeutet – Andeutungen menschlicher Behausungen.
Es sind Bilder, die surreale Züge tragen und mitunter an die Pittura metafisca erinnern.
Die scheinbare Abgeschlossenheit, Zeitlosigkeit und Unveränderbarkeit ihrer Motive wird aber durch viele Diagonalführungen wieder in Frage gestellt.
Eine den Arbeiten nicht abzusprechende Strenge wird gemildert, die Landschaften erscheinen dadurch weniger statisch und festgelegt. Die Palette zeichnerischer Mittel ist eher sparsam. Dem fetten und tiefwirkenden Schwarz der Kreide werden die brauntonige Zeichenkohle mit ihrer durchbrochenen Zeichenspur und feinstrukturierte Weißhöhungen gegenübergestellt.
Verwischungen, Schraffuren, Aussparungen, Weißlasuren und tonige Verdichtungen verraten uns die Lust am zeichnerischen Experimentieren. Man muß die Zeichnungen (und natürlich auch die Radierungen) schon mal ganz aus der Nähe betrachten, will man ihren Reichtum an grafischer Spur, an Stukturerfindungen, genau wahrnehmen. Aus wieder größerer Blickdistanz ist es aber auch reizvoll, eben diese Bildeinzelheiten wieder zusammenfließen zu lassen.
Die Steinformationen, mal Mauern, Wälle, dann wieder Felshänge, durchsetzt mit Wurzel- und Pflanzenteilen, zeigen reiche Faltung, Verwerfungen, Einflüsse und gleichen damit mitunter geologischen Aufschlüssen. Im Wohlausbalancierten zwischen eckig und rund, offen und geschlossen, fest und brüchig, fließend und starr erhalten sie etwas wie eine innere Architektur..